
Ein Patient mit Schmerzen im unteren Rücken, die ins Bein ausstrahlen, ist ein alltagsnaher Prüfungsfall. Hier finden Sie die Fragen, die Fachwörter und die Mustertexte für Anamnese, Arztbrief und Fallvorstellung.
Warum Rückenschmerzen in der Fachsprachprüfung vorkommt
Rückenschmerzen sind in der Klinik alltäglich — in der Prüfung zählt, dass Sie die Warnzeichen systematisch abfragen und die neurologischen Befunde korrekt benennen: Parästhesien, Hypästhesie, Parese.
Die Fachsprachprüfung (FSP) prüft drei Situationen: das Anamnesegespräch mit der Patientin oder dem Patienten, die schriftliche Dokumentation (Arztbrief) und die Fallvorstellung vor einer Ärztin oder einem Arzt. Dieser Artikel geht den Fall einmal komplett durch — mit den Sätzen, die Sie in jeder der drei Situationen brauchen.
Die Anamnese: diese Fragen stellen Sie
In der Anamnese sprechen Sie mit dem Patienten in der Alltagssprache — kurz, klar, ohne Fachwörter. Fragen Sie in dieser Reihenfolge, dann fehlt am Ende nichts:
Hauptbeschwerde
- Wo genau haben Sie die Schmerzen? Zeigen Sie mir bitte die Stelle.
- Strahlt der Schmerz aus — ins Gesäß, in den Oberschenkel, bis in den Fuß?
- Wie hat es angefangen — beim Heben, nach einer Bewegung, ohne Auslöser?
- Wie würden Sie den Schmerz beschreiben: ziehend, stechend, elektrisierend?
- Wie stark ist er auf einer Skala von null bis zehn?
- Was macht ihn schlimmer — Sitzen, Bücken, Husten? Was hilft?
Warnzeichen
- Haben Sie Taubheitsgefühle oder Kribbeln im Bein oder im Gesäßbereich?
- Haben Sie das Gefühl, das Bein ist schwächer geworden?
- Können Sie Wasser und Stuhl normal halten?
- Haben Sie Fieber, Nachtschweiß oder ungewollt Gewicht verloren?
- Sind die Schmerzen nachts oder in Ruhe schlimmer?
Vorerkrankungen
- Hatten Sie schon einmal einen Bandscheibenvorfall?
- Ist eine Osteoporose oder eine Tumorerkrankung bekannt?
- Nehmen Sie Kortison?
Medikamente, Allergien, Noxen
- Welche Schmerzmittel haben Sie schon genommen? Haben sie geholfen?
- Haben Sie Allergien, zum Beispiel gegen Schmerzmittel?
- Rauchen Sie? Trinken Sie Alkohol?
Sozialanamnese
- Was arbeiten Sie? Heben Sie schwer oder sitzen Sie viel?
- Treiben Sie Sport?
Von der Patientensprache zur Fachsprache
Der Patient beschreibt seine Beschwerden mit eigenen Worten. In Arztbrief und Fallvorstellung übersetzen Sie sie in die Fachsprache. Für diesen Fall die wichtigsten Paare:
| Der Patient sagt | Sie dokumentieren |
|---|---|
| „Es tut unten im Kreuz weh.“ | Lumbalgie / lumbaler Rückenschmerz |
| „Es zieht bis in die Wade.“ | radikuläre Ausstrahlung ins Bein (Lumboischialgie) |
| „Das Bein kribbelt.“ | Parästhesien |
| „Das Bein ist taub.“ | Hypästhesie |
| „Ich kann den Fuß nicht richtig heben.“ | Fußheberschwäche (Parese) |
| „Beim Husten schießt es ein.“ | Schmerzverstärkung bei Husten und Pressen |
| „Ich kann das Wasser nicht mehr halten.“ | Blasenentleerungsstörung (Warnzeichen) |
| „Ich habe mich verhoben.“ | Beginn nach Hebetrauma |
Die Fallvorstellung: so berichten Sie der Oberärztin oder dem Oberarzt
Die Fallvorstellung folgt einer festen Reihenfolge: Patient und Hauptbeschwerde, Verlauf, Begleitsymptome, Vorerkrankungen, Medikation, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese, Verdachtsdiagnose, Differenzialdiagnosen, weiteres Vorgehen. So klingt sie in zusammenhängenden Sätzen:
Ich stelle Ihnen Herrn Novak vor, 49 Jahre alt, der sich mit seit vier Tagen bestehenden lumbalen Rückenschmerzen vorstellt, die nach dem Heben eines schweren Kartons begannen. Der Schmerz strahlt über die Rückseite des rechten Beins bis in die Wade aus, die Intensität liegt bei sieben von zehn, mit Zunahme beim Sitzen, Bücken und Husten. Begleitend bestehen Parästhesien am rechten lateralen Unterschenkel. Eine Fußheberschwäche, Blasen- oder Mastdarmstörungen, Fieber und Gewichtsverlust werden verneint. Vorerkrankungen bestehen nicht; er nimmt bei Bedarf Ibuprofen ein, das nur kurz hilft. Allergien sind nicht bekannt, er ist Nichtraucher. Beruflich arbeitet er als Lagerist mit schwerem Heben. Meine Verdachtsdiagnose ist eine Lumboischialgie rechts, am ehesten bei lumbalem Bandscheibenvorfall. Differenzialdiagnostisch denke ich an eine unspezifische Lumbalgie und ein Facettensyndrom. Ich schlage eine klinisch-neurologische Untersuchung mit Prüfung des Lasègue-Zeichens, der Reflexe, der Sensibilität und der Kraft sowie bei neurologischen Ausfällen eine MRT der Lendenwirbelsäule vor.
Der Arztbrief: so dokumentieren Sie den Fall
Im Arztbrief schreiben Sie knapp, im Nominalstil und in der Fachsprache. Jeder Abschnitt hat seinen festen Platz:
Anamnese: Seit 4 Tagen lumbale Rückenschmerzen (NRS 7/10) nach Hebetrauma, Ausstrahlung dorsal ins rechte Bein bis zur Wade, Zunahme bei Sitzen, Bücken und Husten. Parästhesien am rechten lateralen Unterschenkel. Keine Paresen, keine Blasen-/Mastdarmstörung, kein Fieber, kein Gewichtsverlust.
Vorerkrankungen: Keine.
Medikation: Ibuprofen 400 mg bei Bedarf.
Allergien: Keine bekannt.
Noxen: Nichtraucher, gelegentlich Alkohol.
Sozialanamnese: Lagerist, schweres Heben, kein Sport.
Verdachtsdiagnose: V. a. Lumboischialgie rechts bei lumbalem Bandscheibenvorfall (L4/L5 oder L5/S1).
Differenzialdiagnosen: Unspezifische Lumbalgie, Facettensyndrom, Spinalkanalstenose, Spondylodiszitis.
Prozedere: Klinisch-neurologische Untersuchung (Lasègue, Reflexe, Sensibilität, Kraft), Analgesie nach Stufenschema, Bewegung statt Schonung, bei Paresen oder Red Flags MRT der LWS, Wiedervorstellung bei Verschlechterung.
Häufige Fragen zu diesem Fall
Welche Red Flags frage ich bei Rückenschmerzen ab?
Blasen- oder Mastdarmstörung, Taubheit im Gesäßbereich, zunehmende Lähmung, Fieber, ungewollter Gewichtsverlust, Nachtschmerz, bekannte Tumorerkrankung, Kortisontherapie und ein Sturz oder Unfall. Diese Fragen stellen Sie jedem Patienten mit Rückenschmerzen.
Muss ich in der FSP die richtige Diagnose stellen?
Geprüft wird Ihre Sprache: ob Sie verständlich fragen, sauber dokumentieren und strukturiert vorstellen. Eine plausible Verdachtsdiagnose mit passenden Differenzialdiagnosen zeigt, dass Sie den Fall verstanden haben — die Fachsprache trägt Sie durch alle drei Teile.
Wie lange dauert jeder Teil der Fachsprachprüfung?
In den meisten Ärztekammern dauert jeder der drei Teile — Anamnese, Dokumentation, Fallvorstellung — etwa 20 Minuten. Den genauen Ablauf legt die zuständige Ärztekammer fest; ihre Website nennt Format und Bewertung.
Diesen Fall selbst üben — mit Mikrofon
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